Baulandmobilisierungsgesetz verdient seinen Namen nicht – Umwandlungsverbot weiter ausgehöhlt

04.11.2020

Horst Seehofer hat heute eine Verschlimmbesserung seines Baulandmobilierungsgesetzes vorgelegt. Statt Umwandlungen von Mietswohnungen in Eigentum zu verbieten, strickt er ein Netz von Ausnahmen und schiebt die Verantwortung auf die Länder. Das Koalitionsgewurschtel geht weiter.“ sagt Caren Lay, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag und Sprecherin für Mieten-, Bau-, und Wohnungspolitik anlässlich der Verabschiedung des Baulandmobilisierungsgesetzes im Kabinett.

Lay weiter: „Traurig, dass das Umwandlungsverbot nur um den Preis einer deutlichen Aufweichung zurück in den Gesetzentwurf kam. Dass die Umsetzung der Freiwilligkeit der Länder obliegt und mit der Mietpreisbremse wieder auslaufen soll, ist ein fauler Kompromiss. Es  verschafft Mieterinnen und Mietern nur eine kurze Atempause und signalisiert Renditejägern: In ein paar Jahren ist die Umwandlung wieder erlaubt.

Es ist mir völlig unverständlich, dass bestehende Ausnahmen noch ausgeweitet und nicht abgeschafft werden. Schon jetzt sorgt die sog. Sieben-Jahres-Regelung dafür, dass ein erheblicher Teil von Umwandlungen gegen den Willen der Kommunen genehmigt werden muss. Statt diese Ausnahme zu streichen, werden weitere hinzugefügt. Mit weiteren Schlupflöchern und Ausnahmen bei Baugebot und Vorkaufsrecht hat die Große Koalition die Versprechungen des Wohngipfels zur Makulatur erklärt.

Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen müssen in angespannten Wohnungsmärkten grundsätzlich untersagt werden Die Bundesregierung sitzt die Bodenkrise aus. Ohne einen Planwertausgleich und eine Begrenzung der Bodenpreise wird es nicht mehr bezahlbares Bauland geben. Es braucht darüber hinaus ein Vorkaufsrecht, das preislimitiert und im gesamten Gemeindegebiet über sechs Monate ausgeübt werden kann. Nicht zuletzt braucht es einen bundesweiten Bodenpreisdeckel sowie öffentliche Rückkaufprogramme für Bauland Das Gesetz muss dringend nachgebessert werden. In der jetzigen Fassung verdient es seinen Namen nicht.“

Buchempfehlung:
Buchcover

Die Wohnungsfrage ist die soziale Frage unserer Zeit. Doch statt sie anzugehen, werden Fehlentwicklungen systematisch politisch gefördert. Wohnungen sind zu reinen Spekulationsobjekten verkommen. Hohe Nachfrage und sogenannte Zwangssanierungen lassen die Mieten explodieren und zwar nicht nur in den Großstädten, sondern auch im Umland. Menschen werden aus jahrzentelang gewachsenen, sozialen Strukturen gerissen, gentrifzierte Viertel zu Soziotopen der Besserverdienenden. Wie konnte es soweit kommen? Warum unternimmt die Politik so wenig, um Mietenwahnsinn und Spekulation endlich zu stoppen? Und was muss getan werden, damit Wohnen endlich wieder bezahlbar wird? Caren Lay nimmt die deutsche Wohnungspolitik der letzten 20 Jahre schonungslos unter die Lupe, zeigt auf, wie und warum Deutschland zum Eldorado für Wohnungsspekulation werde konnte, und liefert provokante Ideen für eine soziale Wohnungspolitik, die wir so dringend brauchen.

Erschienen bei Westend / 160 Seiten Leseprobe

Über mich
Ich bin Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Mieten-, Bau- und Wohnungspolitik sowie für Clubpolitik.